Einfach zum Nachdenken: Die geschlossene Taverne

Vor einiger Zeit hat mir eine Reiseleiterin auf Korfu eine Geschichte erzählt. Ob sie sich genau so zugetragen hat, weiß ich nicht. Aber manchmal ist das gar nicht entscheidend. Denn manche Geschichten bleiben nicht wegen ihrer Fakten im Kopf, sondern wegen der Gedanken, die sie auslösen.

Zwei Touristen – ein Mann und eine Frau – waren in einer kleinen Ortschaft unterwegs und machten sich auf die Suche nach einer Taverne. Es war kein belebter Urlaubsort, sondern eher ruhig und abgelegen. Sie gingen eine Gasse nach der anderen entlang, doch nirgends fanden sie etwas Geöffnetes. Mit jedem Schritt wurde der Hunger größer und die Hoffnung kleiner.

Dann entdeckten sie endlich eine Taverne. Erleichtert gingen sie darauf zu, nur um festzustellen, dass sie geschlossen war. Die Enttäuschung war groß. Ratlos standen sie vor der Tür und überlegten schon, wo sie wohl als Nächstes suchen könnten.

In genau diesem Moment kam ein Mann auf das Gebäude zu, schloss die Tür auf und ging hinein. Die beiden blickten sich überrascht an, folgten ihm und nahmen in der völlig leeren Taverne Platz.Als sie fragten, was es zu essen gäbe, antwortete der Mann ganz selbstverständlich: „Fisch und Wein.“

Kurze Zeit später brachte er ihnen genau das. Sie genossen ihr Essen, waren dankbar und glücklich, doch noch etwas gefunden zu haben.Als sie anschließend bezahlen wollten, winkte der Mann nur ab und sagte: „Passt schon.“Die beiden legten trotzdem Geld auf den Tisch, bedankten sich und gingen hinaus.

Wenige Augenblicke später hörten sie hinter sich, wie die Tür wieder abgeschlossen wurde. Verwundert drehten sie sich um und fragten: „Warum sperren Sie denn schon wieder zu?“

Der Mann lächelte und antwortete: „Ich bin gar nicht der Wirt. Ich bin nur der Nachbar und sollte heute die Blumen gießen.“

Wieviel Vertrauen bestehen muss zwischen dem Wirt und dem Nachbaren, das soetwas möglich ist. In der heutigen Zeit kaum vorstellbar, da sich doch alles um Umsatz und KPIs dreht.  Sie erinnert daran, dass Organisationen jeden Tag entscheiden, ob Menschen Türen öffnen dürfen, oder ob sie lernen, sie lieber geschlossen zu halten.

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